Ein Vorurteil, das bestimmt jeder LKW-Fahrer schon einmal gehört hat: „Berufskraftfahrer sein, das kann doch jeder“. Nicht nur, dass damit der Beruf schlecht gemacht wird und jegliche Wertschätzung verloren geht, die Aussage ist schlichtweg falsch. Zum Berufskraftfahrer-Sein gehört noch sehr viel mehr als das Fahren. Im Besten Fall auch Leidenschaft für den Beruf. Häufig gestellte Fragen sind: Wie hoch ist das Gehalt? Wer zahlt den Führerschein? Was sind die Inhalte der Ausbildung? Wir haben uns die Ausbildung zum Berufskraftfahrer für Stories from the Tanke genauer angesehen.

Die Voraussetzungen der Ausbildung

Der Beruf des Kraftfahrers ist ein klassischer Ausbildungsberuf, der dual erlernt wird. Das bedeutet: Gelernt wird im Betrieb und in der Berufsschule. Formal gesehen gibt es keine Voraussetzungen. Allerdings ist in den meisten ausbildenden Betrieben ein Mindestalter von 17 Jahren festgelegt. Das macht auch Sinn, denn ein LKW-Fahrer braucht einen entsprechenden Führerschein. Und die Fahrerlaubnis Klasse CE, die man für das Führen von schweren LKW benötigt, darf in Deutschland eigentlich erst mit 21 Jahren absolviert werden. Ausnahme sind Personen, die eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer machen. Sie dürfen ihre Fahrerlaubnis schon mit 18 Jahren erwerben. Viele Ausbildungsbetriebe wünschen sich übrigens auch, dass ihre Lehrlinge bereits den „normalen“ Autoführerschein Klasse B in der Tasche haben. Ein bestimmter Schulabschluss wird aber nicht vorausgesetzt. Die meisten Lehrlinge bringen einen Haupt- oder Realschulabschluss mit. Besonders wichtig sind gute Noten in Deutsch, Mathe und Englisch.

Auch wenn es formal kaum Voraussetzungen gibt, eignet sich nicht jeder als Kraftfahrer. Mitbringen sollten Bewerber verschiedene Eigenschaften:

  • Flexibilität
  • Freude am Fahren
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Einen kühlen Kopf auch in stressigen Situationen
  • Geduld (wenn es im Stau oder an der Laderampe mal wieder länger dauert)
  • Keine Angst vorm Alleinsein

Was verdienen Berufskraftfahrer in der Ausbildung?

Das Gehalt ist je nach Ausbildungsplatz und -betrieb ganz unterschiedlich. Im ersten Ausbildungsjahr verdient ein Fahrer zwischen 560 und 895 Euro netto. Im zweiten Lehrjahr liegt das Gehalt zwischen 590 und 950 Euro und im dritten zwischen 630 und 1.000 Euro. Abhängig ist der Verdienst davon, in welchem Bereich und in welcher Branche ihr den Job des Berufskraftfahrers lernt: Personenverkehr oder Güterverkehr? Nahverkehr oder Fernverkehr? Grundsätzlich ist es ein Job mit Zukunft: Schließlich sind Berufskraftfahrer in Deutschlands Logistik-Betrieben Mangelware. Es fehlt besonders an Nachwuchs.

Die Fahrerlaubnis kostet in der Regel zwischen 1.300 und 2.000 Euro. Eine der am häufigsten gestellten Fragen dazu: Wer bezahlt den Führerschein? Hier gibt es keine pauschale Antwort. Aber aufgrund des hohen Fahrermangels und des fehlenden Nachwuchses beteiligen sich viele Ausbildungsbetriebe an den Kosten oder übernehmen sie sogar ganz. Das ist aber nicht gesetzlich geregelt und von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Außerdem ist es möglich eine Förderung bei der Bundesagentur für Arbeit zu beantragen.

Mehr als die Fahrerlaubnis: Inhalte der Ausbildung

Alles, was wir bisher über die Ausbildung zum Kraftfahrer herausgefunden haben, deutet bereits darauf hin: Wer als Fahrer im Güter- oder Personenverkehr arbeiten möchte, muss mehr können, als Fahren. Als LKW-Fahrer sitzt man eben nicht nur auf dem Bock, es gehört auch Papierkram dazu – ebenso wie Kenntnisse über die Technik im Fahrzeug. Inhalte der Ausbildung sind beispielsweise:

  • Die Technik und Funktionsweise von LKWs und auch Bussen
  • Wartungen und Reparaturen von mechanischen und elektrischen Systemen am Fahrzeug
  • Sicherheitskontrollen vor der dem Antritt der Fahrt
  • Straßenverkehrsregeln
  • Rechtliche Grundregeln (z.B. zulässiges Gesamtgewicht und Frachtbestimmungen)
  • Fahrpraxis am Tag und in der Nacht
  • Richtiges Verladen und die Sicherung von Gütern
  • Transportpapiere, Lieferscheine und Fahrtenbücher führen
  • Wissen zum Thema Maut

Am Ende der dreijährigen Ausbildung muss jeder angehende Fahrer eine Abschlussprüfung ablegen. Diese besteht in der Regel aus fünf praktischen Aufgaben, die der Fahrprüfung sehr ähneln. Hinzukommt eine theoretische Prüfung.

Als Berufskraftfahrer einen Job finden

Es gibt viele Möglichkeiten als Berufskraftfahrer einen Ausbildungsplatz oder auch einen Arbeitsplatz zu finden. Die Bereiche sind vielfältig: Arbeiten können Berufskraftfahrer in einer Spedition, in einer Entsorgungsfirma oder bei einem Umzugsdienstleister. Aber auch im Personenverkehr, beispielsweise als Busfahrer, sind Berufskraftfahrer unterwegs. Ob ihr mit geregelten Arbeitszeiten in einer Stadt unterwegs seid, Güter oder Personen quer durch Deutschland transportiert oder sogar in ganz Europa unterwegs seid, ist abhängig von dem Betrieb, in dem ihr arbeitet. Alle drei Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile. Wichtig für die Entscheidung ist, dass ihr euch Gedanken darüber macht, wie eure berufliche Zukunft aussehen soll. Auch wenn es wie eine Phrase klingen mag, achtet nicht nur darauf, was ihr in den verschiedenen Bereichen verdienen könnt. Denn auch, wenn der Verdienst als Fernfahrer höher liegen mag: Wenn ihr nicht gerne lange unterwegs seid, ist dieser Bereich für euch vielleicht nicht der Richtige. Das bedeutet aber nicht, dass ihr kein Berufskraftfahrer sein könnt.

Fazit

Berufskraftfahrer sein kann nicht jeder. Wer als Fahrer große oder auch kleine LKW mit Personen oder Gütern an Board über die Straßen bewegt, trägt eine Menge Verantwortung. Dessen muss man sich bewusst sein. Es ist ein Job der Leidenschaft verlangt und dem oft zu wenig Wertschätzung entgegengebracht wird. Aber es ist auch ein Beruf mit Zukunft. Also liebe Berufseinsteiger und Berufseinsteigerinnen: Wagt das Abenteuer Berufskraftfahrer!