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Das Verhältnis von Lkw-Fahrern und Autofahrern ist eine Sache. Aber wie sieht es eigentlich aus, wenn Lkw-Fahrer unter sich sind? Wir haben das Gespräch mit den Berufskraftfahrern Reinhard und Matthias auf einem Rastplatz in der Nähe von Münster genutzt, um etwas mehr über die Gemeinschaft der Lkw-Fahrer auf Deutschlands Autobahnen zu erfahren.

Lkw-Fahrer unter sich – Im Gespräch mit Reinhard und Matthias

Es ist Mittagszeit und uns ist aufgefallen, dass es sehr ruhig auf dem Rastplatz zugeht. Noch sind viele Lkw-Plätze frei – von der Parkplatznot ist um diese Zeit noch nichts zu spüren. Einige Lkw-Fahrer essen zu Mittag, andere haben ihre Gardinen zugezogen und machen ein kurzes Nickerchen. Gespräche untereinander können wir jedenfalls nicht beobachten. Vielleicht möchten die Fahrer um diese Uhrzeit einfach ihre Ruhe haben und eine kurze Pause machen. Wie ist wohl die Stimmung, wenn mehrere Lkw-Fahrer gemeinsam auf einem Rastplatz übernachten? Gibt es gemeinschaftliche Aktivitäten? Kennen die Fahrer sich untereinander und verabreden sich möglicherweise für gemeinsame Pausen? Wir haben nachgefragt!

Gemeinschaftskiller: Handys, Laptops und Fernseher

„Seitdem es Handys, Laptops und Fernseher gibt, ist das mit der Gemeinschaft unter uns weniger geworden“, stellt Matthias fest. Fernfahrer sitzen stundenlang hinterm Steuer – manchmal bis zu zehn Stunden am Tag. Viele sind nach der langen Fahrt hundemüde und verbringen den Abend lieber in Ruhe vor dem Fernseher oder eben dem Laptop. Matthias ist einer von vielen, die selten nach Hause kommen: „Mit dem Handy kann ich abends mit meiner Frau und den Kindern sprechen. Das machen viele andere Kollegen auch so.“ Die Zeit, die die Fahrer zusammen verbringen, sei dadurch in den letzten Jahren weniger geworden. „Ab und zu setzen wir uns aber schon abends zusammen, essen was und unterhalten uns“, sagt Reinhard. Es sei immer interessant andere Fahrer zu treffen und sich auszutauschen. Aber eben auch nicht immer.

Lkw-Fahrer unter sich: Friede, Freude, Eierkuchen? | Stories from the Tanke.

Konkurrenzgefühle trotz 45.000 unbesetzten Stellen

Ein rumänischer Lkw steht neben einem deutschen und ein Lkw aus Luxemburg steht neben einem aus Italien. Das Verhältnis zwischen deutschen und ausländischen Fahrern sei angespannt, berichten Reinhard und Matthias. „Ich habe es schon erlebt, dass deutsche Fahrer einen ausländischen Fahrer nicht bei sich am Tisch sitzen lassen wollten. Wenn ich so etwas mitbekomme, tut mir das schon weh“, sagt Reinhard. „Viele meinen, dass die ausländischen Fahrer uns die Jobs wegnehmen“, fügt Matthias hinzu. Dabei sind allein in Deutschland derzeit 45.000 Stellen unbesetzt – bis 2020 werden mindestens 150.000 Fahrer fehlen. „Wo nehmen uns ausländische Fahrer da bitte die Jobs weg?“, fragt Reinhard und ergänzt: „Für mich spielt es keine Rolle, wo die Fahrer herkommen. Wir sitzen doch alle in einem Boot – Tschechen, Polen, Holländer, Deutsche – alle, die hier unterwegs sind.“

Eine Hand wäscht die andere

Auch wenn gegenseitige Hilfsbereitschaft unter Fahrern nicht immer selbstverständlich ist, helfen Reinhard und Matthias anderen Fahrern gern – vom Einparken bis zu Problemen mit dem Lkw. Matthias hält fest: „Wenn es ernst wird, unterstützen wir uns doch immer. Wenn hier zum Beispiel jemand rückwärts einparken muss, dann komme ich da hin und helfe. Für mich ist das selbstverständlich. Das gleiche tun auch deutsche und ausländische Fahrer auch für mich.“

Ob Rastplatz oder Tankstelle: Das Prinzip „eine Hand wäscht die andere“ funktioniert eben auch wenn Lkw-Fahrer unter sich sind. Freundschaften entstünden aber eigentlich nie. Dazu sei die Autobahn zu groß. Denn dass sie auf ihren Fahrten quer durch Deutschland und über die Grenzen hinaus andere Fahrer noch einmal wieder treffen, kommt so gut wie nie vor. Aber genau das kann den Beruf des Lkw-Fahrers auch ganz spannend machen, findet zumindest Matthias. „Diese Arbeit ist wie Alzheimer. Du lernst jeden Tag neue Leute kennen“, scherzt er.

 

Was die beiden uns noch so erzählt haben, könnt ihr hier noch einmal nachlesen.