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Alte Tankstellen erzählen spannende Geschichten.

Ach, waren das Zeiten, als Benzin noch günstig, die Autos noch eckig und die Tankstellen noch nicht alle gleich waren. In dem wunderbaren Fotobuch „Abgetankt“ lässt der Fotograf Joachim Gies diese fast vergessene Ära wieder aufleben. Joachim Gies hat eine besondere Leidenschaft: Er ist Tankstellensucher. Doch ist er nicht auf der Jagd nach den günstigsten Benzinangeboten, nein, er sucht und findet alte Tankstellen, die meistens längst nicht mehr als solche genutzt werden. Sie sind inzwischen zu Autowerkstätten, Kneipen oder sogar Wohnhäusern umfunktioniert worden, besitzen aber immer noch den Charme der Tanke aus der „goldenen Zeit“ des Autofahrens. Über 300 dieser Relikte aus NRW hat Joachim Gies inzwischen entdeckt und fotografiert, die schönsten haben es in seinen Bildband „Abgetankt“ geschafft, der im Jahr 2014 veröffentlicht wurde.

Zu seiner Fotoserie ist der studierte Fotograf rein durch Zufall gekommen. „Im Rahmen meines Studiums durfte ich ein Projekt zum Strukturwandel im Ruhrgebiet machen, dabei habe ich eine alte Tankstelle in Dortmund gefunden, die mich von der Architektur her total fasziniert hat. Seitdem bin ich von dem Thema nicht mehr losgekommen,“ kommentiert er seine Leidenschaft. „Jede dieser Tanken erzählt ihre eigene Geschichte, man muss sich nur darauf einlassen.“ So wird die 1952 im oberbergischen Marienheide gebaute Tankstelle nun schon seit über 50 Jahren von der 84jährigen, ehemaligen Tankwartin Brunhilde Franke bewohnt. Doch ist sie dort nicht alleine; ihr Papagei Werner haust im ehemaligen Kassenhäuschen, das wahrscheinlich die originellste Voliere Deutschlands ist. Oder die Geschichte von Frau Pfeiffer, deren Wohntankstelle im siegerländischen Netphen auf dem Cover des Buches verewigt wurde. Sie wurde dort sogar mehrmals überfallen, was sie aber nicht dazu bewogen hat, ihre wunderliche Behausung aufzugeben. Für sie überwiegen die schönen Erinnerungen.

So hat Joachim Gies in jeder der von ihm abgelichteten Tankstellen etwas Besonderes entdeckt. Mal ist es die Architektur, mal die Lage oder die Art und Weise, wie sie genutzt werden. Fotografiert wird immer um dieselbe Tageszeit während der Dämmerung, „denn dann wird die Tankstelle im optimalen Licht eingefangen“.  Mit seinem Fotoband ist er allerdings noch nicht am Ende seiner Suche angelangt, die Mission geht weiter. Bald will er mit seinem zum Wohnmobil umgebauten Auto das Gebiet der ehemaligen DDR erkunden, „wo noch viele Tankstellen aus der Vorkriegszeit einfach weiter genutzt wurden“. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse.